Mehr geht nicht mehr - Ein Erlebnisbericht von Jochen Schmitt zur Teilnahme an den NDM 2017 in Bamberg

Dieses Jahr ist wie ein Tischtennis-Märchen für mich. Erst Kreismeister, dann Bezirksmeister, anschließend Hessenmeister und die damit verbundene Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften. Da war aber der Weg noch nicht zu Ende: Das Erreichen der Hauptrunde als Spieler mit dem niedrigsten TTR war ein Highlight und die Auslosung gegen Timo Boll dann das i-Tüpfelchen auf ein Wahnsinns-Jahr.
 
Die Gruppenphase (Motto: "Man muss nicht alle Spiele gewinnen, sondern die richtigen")
Es war ein Start nach Maß gegen "Gözü". Obwohl der Herthaner deutlich mehr TTR-Punkte auf dem Konto hat, übernahm ich die Kontrolle über das Spiel und gab das Heft auch nicht mehr aus der Hand. Im dritten Satz musste ich zwar zittern, am Ende siegte ich aber dennoch mit 3:0 Sätzen.
Mit dem Sieg hatte ich mir eine perfekte Ausgangssituation erspielt, so dass ich gegen Julian Mohr locker in die Partie gehen konnte. Mir war klar, dass ich gegen Julian nur schwer etwas ausrichten kann. Der Satz, den ich ihm bei der 1:3-Niederlage abknöpfen konnte, sollte aber noch Gold wert sein. Denn nach der 0:3-Niederlage von Dennis Müller  gegen Gözü 3:0 war klar, dass meine Chancen auf das Erreichen der Hauptrunde rapide gestiegen waren. Da Julian Mohr anschließend auch gegen Gözu mit 3:0 Sätzen gewann, war ich sogar schon unabhängig vom Ergebnis meiner Partie gegen FSV Mainz 05-Kapitän Dennis Müller durch und für die Hauptrunde qualifiziert.
Deshalb ging ich ohne Nervösität in mein letztes Gruppenspiel gegen Müller. Trotzdem hatte ich den Willen zu gewinnen, aber Dennis Müller war an diesem Tag zu stark. Zudem habe ich nicht richtig in mein Angriffsspiel gefunden. Zwar konnte ich nach 0:2-Satzrückstand noch einmal zum 2:2 nach Sätzen ausgleichen. Im fünften Satz aber lief überhaupt nichts mehr bei mir zusammen und ich verlor diesen deutlich. Ärgerlich, aber zu verkraften. Denn am Ende bin ich als Gruppenzweiter weitergekommen in die Runde der besten 32 Spieler Deutschlands.
Die Hauptrunde und das Spiel gegen Timo Boll (Motto: "Ich will einen Ball spielen, den Timo nicht erreicht")
 
Ein bisschen nervös war ich dann am Abend, als die Auslosung der 1. Hauptrunde anstand. Die Chance gegen Timo Boll gelost zu werden, lag bei nur 12,5%. Das war aber genug - die Ehre, gegen Timo zu spielen wurde mir zu Teil und ich freute mich riesig darauf.
 
Als Timo dann am nächsten Tag "unsere" Spielbox betrat waren zahlreiche Kameramänner, Fotografen und Journalisten mit von der Partie. Auf den sozialen Medien wie Facebook oder Instagram gab es nur noch ein Tischtennis-Thema und selbst auf der DTTB-Seite wurde von dem Duell Schmitt gegen Boll geschrieben und berichtet.
Diese Tatsache machte mich aber überraschenderweise nicht so nervös wie ich befürchtet hatte - es war eher der Respekt vor einem solchen Ausnahmekönner, wie es Timo immer noch ist, der meine Knie etwas weich werden ließen.
 
Mein Ziel im Vorfeld war es, mich nicht zu blamieren und nicht abgeschossen zu werden. Dies ist mir außer im ersten Satz auch ganz gut gelungen. Zusätzlich hatte ich mir vorgenommen, einen Ball zu spielen, den er nicht berührt - und welcher Ball ist da besser geeignet als mein nicht nur in der Regionalliga gefürchteter Rückhandblockschuss? Beim Stande von 3:6 im 3. Satz gegen mich ist mir dieser Schlag zum Glück gelungen. Den Beweis auf Facebook haben bislang mehrere tausend Tischtennis-Fans gesehen.
Ich hatte sogar einmal mit 7:6 geführt, aber es wäre schon eine Sensation gewesen, Timo einen Satz abzuknöpfen. Da hatte er dann doch etwas dagegen. Zu meiner Überraschung hatte ich weniger Probleme als gedacht mit den Aufschlägen von Timo, so dass der ein oder andere ansehnliche Ballwechsel zustande kam. Es war auch nicht einmal die Geschwindigkeit, mit der Timo spielte. Aber er spielt mit soviel Übersicht, Spin, Ästhetik, Antizipation und macht fast gar keinen leichten Fehler.
 
Überraschen konnte ich Timo und die knapp 3.000 Zuschauer aber dann doch noch einmal. Beim Stand von 4:10 im letzten Satz und damit bei sechs Matchbällen gegen mich, habe ich noch einmal ein Time-out genommen. Ein spontaner Gag von mir. Cool wäre gewesen, wenn ich danach noch einen Punkt gemacht hätte. Das war mir leider nicht vergönnt, aber dafür habe ich noch ein Erinnerungsfoto gemeinsam mit Timo bekommen.
Nach dem Spiel dauerte es nicht lange, bis einige Journalisten von diversen Sportmagazinen auf mich zugekommen sind und mich interviewten. Die damit verbundene Publicity in den Medien habe ich sehr genossen. Naja, ich hatte mich ja auch gut verkauft und mir auch einige schöne Punkte erkämpft.
Das Fazit (Motto: "Das alles kann mir keiner mehr nehmen")
 
Das Erreichen der Hauptrunde im Bamberg und die Partie gegen Timo war das Highlight meiner Tischtenniskarriere. Ich werde es nächstes Jahr definitiv wieder versuchen, mich für die Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren. Ob es mir nochmal gelingt, bleibt abzuwarten. Aber ich habe schon oft bewiesen, dass ich für Überraschungen gut bin. Wie dem auch sei - die Erfahrungen und Erinnerungen aus Bamberg kann mir niemand mehr nehmen.

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